Web 2.0 – die Demokratisierung der Lernwelt
In nur zehn Jahren hat das Internet die Arbeitswelt massiv verändert. Durch die «Web 2.0»-Welle wird dieser Trend zusätzlich befeuert. Gemeint ist damit die Aufhebung der medialen Einbahnstrasse, mithin die Demokratisierung des Internet.
Westliche Länder befinden sich im Übergang von der Industrie- zu einer Wissensgesellschaft. In der Erwartung, dass bessere Ausbildung letztlich produktiv auswirkt, wird wieder verstärkt in Bildung und Forschung investiert. Dabei wird der Zugang zum Internet als notwendige Voraussetzung zu gesellschaftlicher Teilhabe und Beschäftigung anerkannt. Web-2.0-Techniken können dem Markt für wissensintensive Produkte und Dienstleistungen einen entscheidenden Impuls geben.
Die Bedeutung von Web 2.0
Die vergleichsweise leichte Handhabbarkeit des WWW hat dazu geführt, dass sich das Internet zu einem Massenphänomen entwickelt hat.
Unter dem Begriff Web 2.0 werden Anwendungen zusammengefasst, die durch einfache technische Möglichkeiten die aktive Partizipation der Nutzer ermöglichen. Dies führt zu deutlichen Veränderungen der Nutzungsgewohnheiten. Die Menge der verfügbaren Inhalte und potenziellen Geschäfts-, Kooperations- und Kommunikationspartner explodiert.
Web 2.0 ist demnach als die Metapher für öffentliche Beteiligung im Netz (Social Software) und die dadurch ausgelöste Weiterentwicklung des Web zu sehen.
Das Potenzial des Web 2.0
Das Web 2.0 eröffnet ungeahnte Möglichkeiten der Interaktion. Vernetzte Internettagebücher (Blogs), kooperativ geschriebene Texte (Wikis), neue Formen der Produktempfehlungen (durch Nutzerbewertung), neue Dienste zur Erschließung von Wissen durch kooperative semantische Techniken (Folksonomies) wie auch das gemeinsame Bereitstellen und Bewerten von Inhalten (zum Beispiel Videos, Fotos, Podcasts) haben mittlerweile signifikante Verbreitung und Akzeptanz gefunden. Es werden sich neue kulturelle Praktiken herausbilden, etwa in der Kommunikation, es ergeben sich neue Erkenntnisgewinne aus der Analyse der Nutzerdaten und es werden sich die Lehr- und Lernprozesse verändern. Letzteres gilt insbesondere für das informelle Lernen, das gerade im beruflichen Bereich zunehmende Bedeutung gewinnt.
Herausforderung «digitale Spaltung»
Im Web 2.0 geht es nicht mehr um bloßes Konsumieren, sondern um die aktive Gestaltung von Inhalten, um Kommunikation und um soziale Interaktion in Gemeinschaften. Dies führt zu partizipativen Nutzungsformen, die aber auf Seiten der Nutzer besondere Autonomie und Mitbestimmung voraussetzen. Es bedarf daher verstärkter bildungspolitischer Anstrengungen zur Förderung der notwendigen Kompetenzen in der Bevölkerung, um die Innovations- und Gestaltungspotenziale dieser Entwicklung nutzen zu können. Die viel zitierte digitale Spaltung ist heute weniger eine Spaltung im Hinblick auf den Zugang zu Technik als vielmehr eine neue Form der Wissens- und Bildungskluft, der mit Blick auf die wachsende Bedeutung des Internets konsequenter begegnet werden muss. Die Fähigkeit, sich gestaltend in dieser Welt bewegen zu können, ebenso wie das Vermögen von Unternehmen und Institutionen, sich durch Nutzen der Potenziale Wettbewerbsvorteile zu erschließen, erfordern eine enge Verzahnung von Kompetenzentwicklung, Wissensaneignung und Arbeitsprozessen.
In diesem Sinne ist Web 2.0 zugleich Herausforderung als auch Lösungsansatz, um neue Formen der verteilten Wissensorganisation und -aneignung zu ermöglichen.
